Glaube1 -- ein Gott, dreifach erlebt

Lebensträume  --  Glaubensräume   //   Das Glaubenshaus

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Der Raum des Glaubens

Teil 1



„Raum des Glaubens“ steht in großen, goldenen Buchstaben quer über der Glasfront.

Wir gehen nun auf den Raum mit dem spitzen Pyramidendach zu. Innen drin schwingt ein Mobile, dessen Arme bei jedem Luftzug in Bewegung geraten.

Ronja wird uns in diesem Raum führen.


Bevor wir ihn betreten, sagt sie: „In diesem Raum hier geht es um Gott selbst.“

„Das setzt natürlich voraus, dass es Gott überhaupt gibt,“ wirft Nico ein.

„Richtig!“ antwortet Ronja. „Es kann selbstverständlich sein, dass wir Menschen uns da nur etwas einbilden. Aber immerhin  --  eine ganz große Mehrheit aller Menschen glaubt an Gott.  ---   Dieser Raum nun will uns dabei helfen, Gott in unserer Welt zu entdecken  --  wenn es ihn gibt.“

Es entsteht eine kleine Pause, in der die Kinder nachdenken. Dann sagt Ronja: „Spürt ihr das?  --  Irgendwie ist es mit Gott anders als mit dem Rest der Welt. Es ist etwas Geheimnisvolles mit ihm. Er ist nicht einfach so da wie alles andere.“

Ronja kramt in ihrer Tasche. Endlich hat sie gefunden, wonach sie sucht. Sie zeigt uns ein Bild, auf dem kleine, beschriftete Münzen zu sehen sind. ‚I love you’ steht auf einer der Münzen, und auf anderen sind andere, englische Wörter zu finden.

„Seht ihr hier auch den großen Dinosaurier?“, fragt uns Ronja.




„Nee, nicht wirklich!“ schießt es aus Mira heraus. „Du zeigst uns ja wohl gerade ein falsches Bild. Nichts als kleine Münzen sieht man hier.“

„Halt, warte mal!“ fährt Katharina dazwischen. „Das ist schon möglich, dass hier in diesem Bild ein Dino versteckt ist. Ich habe schon einmal solch komische Bilder gesehen. Wenn man lange darauf starrt ...  --  erst mit den Augen ganz nah und dann langsam das Blatt vom Gesicht entfernen, dann taucht plötzlich in dem Bild etwas zuvor Unsichtbares auf. Und ich glaube, man sieht das sogar drei dimensional. Ganz irre!“

„Ihr müsst versuchen, durch das Blatt hindurch zu schauen,“ ergänzt Ronja. „Und dabei locker bleiben! Niemand kann die Augen zwingen, den Dino zu sehen. Mit ein wenig Übung taucht er plötzlich ganz von selbst auf.“

Die Kinder probieren mit dem Blatt vor den Augen, den Dino zu entdecken. Katharina, Ronja und Marc gelingt das ziemlich schnell. Vor Nicos Augen taucht ab und zu ganz kurz eine Gestalt auf, aber dann verschwindet sie wieder, bevor er das Bild mit den Augen festhalten kann. Nico kann nicht recht sagen, was er da sieht, nur dass sich etwas merkwürdig verändert. Und Mira sieht erst einmal gar nichts. Voll verkrampft schaut sie auf das Bild. Da sind Münzen zu sehen, sonst nichts.


„Macht nichts,“ tröstet Ronja, „irgendwann siehst du hin und der Dinosaurier taucht auch vor deinen Augen auf.“

Ronja erklärt weiter: „So ähnlich wie mit dem Dino ist es mit Gott, sagen die Christen: Gott kann in der Welt entdeckt werden, aber es braucht Übung und den richtigen Blick des Glaubens.“

Wir schauen Ronja fragend an. „Blick des Glaubens?“ wiederholt Marc. Und Ronja sagt: „Also hier in diesem Raum üben wir das nachher, was damit gemeint ist. Ich bin sicher, dass ihr schnell dahinter kommt. Wenn man mit etwas Phantasie an diese Aufgabe herangeht, kann man Gott immer wieder in der Welt entdecken.“



Mit Ronja an der Spitze betreten die fünf Kinder nun den Raum.

„Bitte schaut zuerst einmal hoch hinauf  --  zur Decke!“  fordert Ronja uns auf.


Der Raum ist innen genauso spitz dreieckig wie das Dach außen. Die drei Dreiecke, die die Decke bilden, sind vollkommen mit Worten und Zeichen ausgemalt.

„Dort oben“, sagt Ronja, „seht ihr das Wort ‚Gott’ in ganz vielen unterschiedlichen Sprachen geschrieben. Auf jedem der drei Dreiecke steht 333 mal das Wort ‚Gott’.“

„Also genau 999 mal“, sagt Marc. Er hat das schnell ausgerechnet.

„Genau“, antwortet Ronja. „Und es gibt das Wort ‚Gott’ in noch viel mehr Sprachen. Eigentlich ist Gott in allen Völkern der Welt bekannt.“

Wir schauen nach oben, so dass uns fast der Hals steif wird. Katharina stupst Mira an. „Dort, guck mal! Dort in der fünften Reihe von unten steht das spanische Wort für Gott: Dios.“ Marc hat gerade das englische Wort ‚God’ entdeckt. Er macht die anderen darauf aufmerksam. „Dort in der dritten Reihe von oben“, sagt Ronja, „seht ihr das Wort ‚Jumala’. Als ich mich vorbereitet habe, habe ich mir das gemerkt. So heißt ‚Gott’ in der finnischen Sprache.“


Besonders interessant ist es, dass ganz viele Worte an der Decke gar nicht mit unseren Buchstaben geschrieben sind, so dass wir unfähig sind, sie zu lesen. Es gibt eckige, chinesisch aussehende Schriftzeichen. Es gibt Schriften, die hauptsächlich aus Punkten bestehen  --  ähnlich wie bei der Blindenschrift. Es ist kaum zu glauben, dass es so viele Sprachen gibt. Und in jeder Sprache gibt es das Wort ‚Gott’.

Ronja klatscht in die Hände, um unsere Aufmerksamkeit zu bekommen. Als wir sie alle anschauen, sagt sie: „Also, der Raum des Glaubens zeigt uns als erstes, dass irgendwie in allen Völkern der Erde Menschen an Gott glauben. Deshalb kennt auch jede Sprache das Wort ‚Gott’.“


Sie deutet auf das Mobile: „Dort nun wird erklärt, wie es sich die Christen genau vorstellen, wer Gott ist. Seht ihr?!  --  Dort an oberster Stelle, wo das Mobile aufgehängt ist, steht etwas ganz, ganz Wichtiges über den christlichen Gottesglauben.“ Und Ronja liest vor: „ Wir glauben an nur einen Gott.“

„Richtig“, sagt Mira. „Es gibt andere Menschen, die glauben an viele Götter, aber wir Christen glauben: Es gibt nur einen Gott.“

Ronja nickt. Sie fährt fort: „Nun wird es ein bisschen kompliziert. Ihr seht das ja. Von dem obersten Kasten aus gehen drei Zweige ab. Das bedeutet: Die Christen glauben, dass Gott den Menschen auf unterschiedliche Art und Weise erscheint, nämlich

erstens als Schöpfer oder auch als Mutter und Vater,

zweitens als Sohn

und drittens als Heiliger Geist.“


„Kapiere ich nicht“, sagt Nico. „Einer oder drei  --  oder was?“

„Mal ganz ruhig!“ Ronja weiß, dass es jetzt schwierig wird. Sie hat sich gut vorbereitet. „Pass auf!“ sagt sie. „Du bist doch auch nur einer, oder?“

Nico nickt. In der Tat  --  er ist nur einer.

Ronja fährt fort. „Du bist das Kind deiner Eltern. Deshalb sieht deine Mutter dich als Sohn. Für mich bist du ein anderer. Ich sehe dich als Freund. Deinem Mathelehrer aber erscheinst du weder als Freund, noch als Sohn, sondern einfach als ein Schüler, der meistens andere Gedanken im Kopf hat als Mathe. Verstehst du?  --  Du bist einer, aber in unterschiedlichen Situationen wirst du immer wieder von deinen Mitmenschen anders erlebt.  --  So ist es auch mit Gott, meinen die Christen. Und deshalb sagen sie: Gott, Vater und Mutter, Sohn und Heiliger Geist.“

Wir alle schauen nachdenklich. So ganz haben wir das wohl noch nicht verstanden, aber eine kleine Ahnung, was gemeint ist, haben wir jetzt schon.