Glaube6 - Bänder+Ich kann

Lebensträume  --  Glaubensräume   //   Das Glaubenshaus

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Der Raum des Glaubens

Teil 6

Katharina und Nico haben zur selben Zeit einen anderen Text gelesen.



Bunte Bänder im Wind


Er wartet. Er schaut aus dem Fenster und wartet. Der Zug rattert eintönig dahin. Fast 15 Jahre ist es her, da fuhr er diese Strecke zum letzten Mal.   ---  Und dann die Zelle im Gefängnis.


Sommer. Herbst. Winter. Frühling. Jahr für Jahre – jahrelang. Lange, sehr lange Jahre.   ---   Nun ist er entlassen. Er sitzt im Zug und wartet. Er schaut aus dem Fenster. Er wartet und hofft.


Als der Beamte in seine Zelle kam und ihm mitteilte, er werde in einem Monat entlassen, da kam die Angst:

Wohin? Wohin sollte er gehen?

Es war für ihn, als wäre er 15 Jahre tot gewesen und nun sollte er wieder leben. Aber wie? Und wo gab es neues Leben für ihn?


Er hatte an die Familie einen Brief geschrieben  -- an die Ehefrau, an seine Kinder. Auch die Nachbarn sprach er an. Er hatte geschrieben: „Ich will niemandem zur Last fallen. Ich kann es verstehen, wenn ihr mit mir nichts mehr zu tun haben wollt. Okay! Aber vielleicht gebt ihr mir ja doch noch eine Chance.“


„Nur dann“, so schrieb er, „ ... knüpft bitte dann ein buntes Band in die Eiche am Damm. Dort, wo die Gleise den Bach überqueren, dort in der Kurve, die dann zum Bahnhof führt.“


Dann wird er aussteigen aus dem Zug.

Dann, wenn ein buntes Band  in der Eiche weht. Ansonsten wird er weiterfahren  ---  irgend wohin.


Er wartet. Er schaut aus dem Fenster. Jetzt geht das Warten zu Ende, denn es sind nur noch Augenblicke. Sein Magen zieht sich zusammen.

Der Zug legt sich in die letzte Kurve vor dem Bahnhof. Er verringert bereits das Tempo, um zu halten.


Der Mann sieht die Eiche.

Ihm schießen Tränen in die Augen.

Er glaubt nicht, was er sieht.


Da ist der Baum und es flattern hunderte von bunten

Bändern im Wind.


Nicht ein Band, nicht zwei. Viele Bänder.

Viele neue Chancen.

Neues Leben für ihn. (F)



Einen kurzen Augenblick schweigen die beiden. Dann sagt Katharina: „Also, diese Erzählung passt zu vielen Aussagen über das, was Gott tut: Zum Beispiel hat jemand Angst und er bekommt neuen Mut. Ich finde aber, irgendwie passt hier am besten die Sache mit der Auferstehung. „Nico nickt: „Finde ich auch“, unterstützt er sie. Und als die Beiden das richtige Mobileteil gefunden haben, da fährt Nico fort: „Egal was,  --  für den Mann entsteht neues Leben und man kann entdecken, dass es nichts auf der Welt gibt, das das Leben endgültig zerstören kann.“

Die beiden tragen den Buchstaben (F) in ihr Lösungsformular ein.







Nico sagt: „Und nun zum letzten Text. Schau! Dort warten bereits Mira und Marc. Und Ronja ist auch bei ihnen.“

Als die Kinder ihre Ergebnisse zusammentragen, ist ihnen klar, dass sie das richtige Lösungswort gefunden haben, auch wenn ihnen noch der letzte Buchstabe fehlt.


Gemeinsam lesen alle den letzten Text:



Ich kann


Ich kann nicht dichten wie Goethe

ich kann nicht komponieren wie Mozart

ich kann nicht malen wie Picasso.


Ich koche nicht so lecker wie mein Opa

ich bin in der Schule nicht so gut, wie ich es gerne sein möchte

ich bin nicht so freundlich wie unser Postbote

ich arbeite nicht so gerne im Garten wie meine Mutter

ich sehe nicht so toll aus wie ein Model auf dem Laufsteg.


Aber ich kann lachen wie ich lache

ich kann laufen wie ich laufe

ich kann denken wie ich denke

ich kann weinen wie ich weine

ich kann schreiben wie ich schreibe

ich kann malen wie ich male

Hierhin gehört ein Bild von Dir.

Du kannst es selbst malen

oder Du kannst ein Foto einkleben

oder Du bittest eine Freundin oder einen Freund Dich zu malen.

Es gibt natürlich auch noch andere Möglichkeiten!


ich kann helfen wie ich helfe.


Ich bin nicht großartig

ich bin nicht berühmt

ich rage nicht heraus


aber


mich gibt es nur einmal

ich bin einmalig

Gott hat mich wunderbar gemacht.    (Ö)



„Und Marc kann schwimmen wie ein Delphin“, sagt Ronja lachend. Alle wissen, was Ronja meint, denn Marc bewegt sich im Wasser, als sei er dort zu Hause.

„Richtig! Ich kann schwimmen, wie ich schwimme“, sagt Marc. „Ich finde, das Gedicht hat recht. Es ist falsch, Menschen zu beurteilen. Gott hat uns so gemacht, wie wir halt sind.“

Nico schaltet sich ein: „Auch Jesus war, wie er war. Und ist es denn nicht fantastisch, dass die Bibel meint: Als Mensch zu leben, das war für Gott so wertvoll, dass er selbst Mensch geworden ist. Ich bin wirklich froh, dass ich lebe. Ich wäre nämlich nicht so gerne als Gänseblümchen oder Mücke zur Welt gekommen.“

Die Kinder tragen das ‚Ö’ als letzten Buchstaben in ihr Lösungswort ein.







Sie haben alles perfekt gelöst. Der Name für Gott, den sie gefunden haben, gibt genau noch einmal die Aussage wieder, die in der letzten Zeile des Gedichtes steht: ‚Gott hat mich wunderbar gemacht.’ Gott ist also der   …………   der Menschen und auch der Welt.

Bevor die Fünf den ‚Raum des Glaubens’ verlassen, liest jeder noch aufmerksam die Erzählungen, die er noch nicht kennt.

An der Tür schauen sie zurück. Ronja sagt: „Für diesen Raum ist eine Zahl besonders wichtig. Das ist die Drei.“ „Das merkt ja sofort jeder“, meint Marc. „Es gibt drei Wände und die Decke besteht aus drei Dreiecken.“ „Außerdem hat das Mobile drei Zweige“, ergänzt Mira. „Und an der Decke steht dreimal in 333 Sprachen das Wort ‚Gott’.“

Ronja fährt fort: „Der Raum soll also zeigen, wie wichtig die Drei für den Gottesglauben der Christen ist: Gott ist nur einer, aber er wird unterschiedlich erfahren und erlebt.“

„Das ist ein echt gutes Abschlusswort“, sagt Katharina. „Du hast uns toll geführt. Danke schön! Jetzt brauche ich aber ein wenig Erholung, sonst dreht sich alles in meinem Kopf.“