Glaube5 - Ballon+Bäcker

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Der Raum des Glaubens

Teil 5

„Und nun?“ fragt Mira. „Wo machen wir weiter?“ „Ich habe eine Idee.“ Katharina ist etwas aufgeregt. „Schau, Mira! Wir haben jetzt ein ‚C’ und dahinter ein ‚H’. Oft steht ja davor das ‚S’. Lass uns doch einfach suchen, ob es ein ‚S’ gibt. Und dann brauchen wir nur noch zu überprüfen, ob Geschichte und Mobileteil zusammen passen.“

Mira gefällt die Idee. Tatsächlich. Es gibt einen Text mit einem ‚S’ unten rechts in der Ecke. Die Erzählung heißt: Der rote Luftballon.



 Der rote Luftballon



Alle Kinder waren in der Schule. Nur der achtjährige Beppo stand allein auf einem Hügel und starrte angestrengt zum Himmel hinauf. Dort oben war ein winziger, roter Punkt. Seinetwegen hatte Beppo die Schule geschwänzt. Es war ein roter Luftballon, den Beppo mit seinem ersparten Geld gekauft hatte.

Beppo hatte niemandem erzählt, was er damit anfangen wollte. Heimlich hatte er einen Brief geschrieben und ihn an die Schnur des Luftballons angebunden. Und als alle Kinder in der Schule waren, hatte er sich fort geschlichen, um auf einem Hügel seinen Luftballon steigen zu lassen. Und das stand im Brief: »Hallo, in ein paar Wochen bekomme ich einen

kleinen Bruder. Wir sind sechs Kinder, und meine Eltern haben wenig Geld. Wir schlafen zu dritt in einem Bett, weil wir nicht genug Bettzeug haben. Bitte, helft mir, dass ich dem kleinen Bruder einen Strohsack mit Bettzeug zurechtmachen kann. Es darf ruhig etwas Gebrauchtes sein. Ich wohne in Arcole in Süditalien. Beppo Sala.« Als der kleine rote Punkt nicht mehr zu sehen war, trottete Beppo voll Zuversicht nach Hause.

Die nächsten Tage waren fast nicht zu ertragen. Beppo wartete voll Spannung. Es tat sich nichts. Beppo hoffte und betete. Endlich kam am sechsten Tag der Postbote mit dem Paketwagen zu seinem Elternhaus.

Aufgeregt stürmte Beppo hinaus. Er ging auf den Postboten zu und mit diesem ins Haus. Die ganze Familie war in der Küche versammelt. Vater Sala begann mit dem Postboten zu zanken. »Du willst Postbote sein, Antonio, und begreifst

nicht, dass dieses Paket unmöglich für uns sein kann!« Und der Postbote schrie zurück: »Du Dummkopf, kannst du nicht lesen? Familie Sala — da steht es doch.«

Der Vater sagte etwas ruhiger: »Wir heißen Sala, das ist richtig. Aber wir kennen niemand in Rovigo. Ich habe nichts bestellt. Und geschenkt nehme ich nichts. Nimm das Paket nur wieder mit.«

Nun musste Beppo reden: »So mach das Paket doch auf. Wir werden dann sehen, ob es für uns ist oder nicht.« Der Vater war einverstanden, Beppo öffnete das Paket. Hastig riss er die Schnüre auf. Als der Karton auf war, schimmerte es weiß heraus: Windeln, Bettzeug und winzige Kinderwäsche. Nicht neu, aber ganz und sauber. Die Augen der Mutter leuchteten. Beppo dachte: »Ich bin froh, dass kein Absender drauf ist, so kann Vater es wenigstens nicht mehr zurückschicken.« Beppo schlich leise hinaus. Er eilte zum Hügel, wo er vor sechs Tagen den Luftballon zum Himmel geschickt hatte.(S)


 

„Puh, das wäre ja beinahe schief gegangen. Dem Beppo ist es bestimmt ganz heiß geworden bei dem Gedanken, dass der Vater stur bleiben könnte.“  --  „Ich glaube, ich weiß, wo Gott hier seine Finger im Spiel hat“, sagt Mira. „Ich glaube, er hat die richtigen Leute den Luftballon finden lassen.“ „ Oder er hat dem Wind gesagt, wohin er den Luftballon blasen soll!“ „Oder er hat dem Beppo überhaupt die Idee gegeben, dass das eine Möglichkeit ist, Hilfe zu bekommen.“ „Merkwürdig“, sagt Katharina. „Wenn wir so über die Geschichte nachdenken, dann kann Gott an vielen Stellen aktiv gewesen sein. Aber meistens denkt man ja eher, dass alles nur ganz zufällig geschieht und das Leben nichts mit Gott zu tun hat.“ „Weißt du, Katha, wenn ich mir jetzt den Beppo vorstelle, dann hat der dort auf dem Hügel seine Hände gefaltet und ‚Danke schön’ gesagt. Für ihn war das Ganze bestimmt eine Hilfe Gottes, der die Not gesehen hat.“

Die beiden Mädchen schauen hinauf zum Mobile. Richtig, die Erzählung passt gut zu der Aussage auf dem Mobileteil, das vor den beiden Buchstaben ‚C’ und ‚H’ seinen Platz hat. Wenn sie bisher keinen Fehler gemacht haben, dann gibt es im Lösungswort also ein ‚SCH’.






Mira zeigt durch die Eingangstür nach draußen. Dort sitzen Nico und Marc in der Sonne und machen gerade Pause. Ronja sitzt auch bei ihnen.

Das ist eine gute Idee, finden die beiden Mädchen und gehen zu ihnen. Nun sitzen die Fünf im Kreis und tragen ihre Ergebnisse zusammen. Wenn alles richtig ist, dann haben sie bereits fünf der acht Buchstaben zusammen.

Nico und Mira stoßen sich an. Sie haben eine Idee, wie das Lösungswort lauten könnte. Dann müsste unter den restlichen drei Texten ein ‚Ö’, ein ‚E’ und ein ‚F’ stehen.

Ronja nickt. „Ihr seid auf dem richtigen Weg“, sagt  sie. Und so beschließen die Vier, sich die restlichen Texte zu teilen und gleichzeitig auch noch den Partner zu wechseln. Bevor sie nach der Pause aufbrechen, sagt Ronja: „Aber denkt daran, nachher auch die Texte zu lesen, die ihr noch nicht kennt. Sonst gehen euch echt gute Gedanken verloren.“


Marc und Mira suchen, wie besprochen, den Text, bei dem ein ‚E’ unten rechts in der Ecke steht. Er hat die Überschrift: Der Bäcker von Paris.


Der Bäcker von Paris


An der Jakobstraße in Paris liegt ein Bäckerladen; da kaufen viele hundert Menschen ihr Brot. Der Besitzer ist ein guter Bäcker. Aber nicht nur deshalb kaufen die Leute des Viertels dort gern ihr Brot. Noch mehr zieht sie der alte Bäcker an: der Vater des jungen Bäckers. Meistens ist nämlich der alte Bäcker im Laden und verkauft.

Dieser alte Bäcker ist ein spaßiger Kerl. Manche sagen: Er hat einen Tick. Aber nur manche; die meisten sagen: Er ist weise, er ist menschenfreundlich. Einige sagen sogar: Er ist ein Prophet. Aber als ihm das erzählt wurde, knurrte er vor sich hin: „Dummerei...“

Der alte Bäcker weiß, dass man Brot nicht nur zum Sattessen brauchen kann, und gerade das gefällt den Leuten. Manche erfahren das erst beim Bäcker an der Jakobstraße, zum Beispiel die Blumenverkäuferin Amelie, die einmal zufällig in den Brotladen an der Jakobstraße kam. „Sie sehen sehr bedrückt aus“, sagte der alte Bäcker zu ihr.


„Ich habe Angst um meine kleine Tochter“, antwortete die Blumenverkäuferin. „Sie ist gestern aus dem Fenster gefallen, vom zweiten Stock.“

„Wie alt?“ fragte der alte Bäcker.

„Vier Jahre“, antwortete Amelie.

Da nahm der alte Bäcker ein Stück vom Brot, das auf dem Ladentisch lag, brach zwei Bissen ab und gab das eine Stück der Blumenverkäuferin.

„Essen Sie mit mir“, sagte der alte Bäcker zu Amelie, „ich will an Sie und Ihre kleine Tochter denken.“


Die Blumenverkäuferin Amelie hatte so etwas noch nie erlebt, aber sie verstand sofort, was der alte Bäcker meinte, als er ihr das Brot in die Hand gab. Und sie aßen beide ihr Brotstück und schwiegen und dachten an das Kind im Krankenhaus.  —  So war das oft in dem Brotladen, in dem der alte Bäcker die Kunden bediente.


Aber es passierte auch anderes, über das sich die Leute noch mehr wunderten.

Da gab es zum Beispiel eine Geschichte mit Gaston:   An einem frühen Morgen wurde die Ladentür aufgerissen und ein großer Kerl stürzte herein. Er lief vor jemandem fort; das sah man sofort. Und da kam ihm der offene Bäckerladen gerade recht. Er stürzte also herein, schlug die Tür hastig hinter sich zu und schob den Riegel von innen vor.

„Was tun Sie denn da?“ fragte der alte Bäcker. „Die Kunden wollen zu mir herein, um Brot zu kaufen. Machen Sie die Tür sofort wieder auf!“

Der junge Mann war ganz außer Atem. Und da erschien vor dem Laden auch schon ein Mann wie ein Schwergewichtsboxer, in der Hand eine Eisenstange. Als er im Laden den jungen Kerl sah, wollte er auch hinein. Aber die Tür war verriegelt.

„Er will mich erschlagen“, keuchte der junge Mann.


„Wer? Der?“ fragte der Bäcker.

„Mein Vater“, schrie der junge Mann, und er zitterte am ganzen Leibe. „Er will mich erschlagen. Er ist jähzornig. Er ist auf 180!“

„Das lass mich nur machen“, antwortete der alte Bäcker, ging zur Tür, schob den Riegel zurück und rief dem schweren Mann zu: „Guten Morgen, Gaston! Am frühen Morgen regst Du Dich schon so auf? Das ist ungesund. So kannst Du nicht lange leben. Komm herein, Gaston! Aber benimm Dich. Lass den Jungen in Ruh! In meinem Laden wird kein Mensch umgebracht.“

Der Mann mit der Eisenstange trat ein. Seinen Sohn schaute er gar nicht an. Und er war viel zu erregt, um dem Bäcker antworten zu können. Er wischte sich mit der Hand über die feuchte Stirn und schloss die Augen. Da hörte er den Bäcker sagen: „Komm, Gaston, iss ein Stück Brot; das beruhigt. Und iss es zusammen mit Deinem Sohn, das versöhnt. Ich will auch ein Stück Brot essen, um Euch bei der Versöhnung zu helfen.“

Dabei gab er jedem ein Stück Weißbrot. Und Gaston nahm das Brot, auch sein Sohn nahm das Brot. Und als sie davon aßen, sahen sie einander an, und der alte Bäcker lächelte beiden zu. Als sie das Brot gegessen hatten, sagte Gaston: „Komm, Junge, wir müssen an die Arbeit.“(E)




Marc sagt spontan: „Das hört sich ja an wie im Märchen. Irgendwie könnte es aber auch stimmen. Oder, Mira?“  --  „Logisch, das gibt es bestimmt auch ab und zu, dass etwas gut ausgeht,“ antwortet Mira. „Aber das ist bestimmt nur selten der Fall. Sehr oft geht es schief, wenn zwei Streit haben.“ „Und ein Sturz aus dem zweiten Stock endet auch oft tödlich!“  - - -  Da die beiden ja ahnen, zu welchem Mobileteil die Erzählung gehört, lesen sie direkt dort nach.

Es haut hin. Beides passt gut zusammen. Sie tragen das ‚E’, wie erwartet, vor dem ‚R’ in das Lösungswort ein