Vertrauen gibt Mut und Leben -- Konfirmation

Vertrauen gibt Mut und Leben

Der Flickschuster

Konfirmation



Liebe Gemeinde,

Ich mag die folgende Geschichte sehr, denn in ihr wird ganz spannend erzählt, wie wir Christen ohne Angst, ohne Sorge und ohne Hektik leben können.  Die Geschichte geht so:


In der Hauptstadt seines Landes lebte ein guter und gerechter König.  Oft verkleidete er sich und ging unerkannt durch die Straßen, um zu erfahren, wie es mit seinem Volk stand.

Eines Abends geht er vor die Tore der Stadt.

Er sieht aus einer Hütte einen Lichtschein fallen und erkennt durch das Fenster: ein Mann sitzt allein an seinem zur Mahlzeit bereiteten Tisch und ist gerade dabei, das Dankgebet zu sprechen.  Als er geendet hat, klopft der König an die Tür: "Darf ein Gast eintreten?" "Gerne", sagt der Mann, "komm, halte mit mir mein Mahl.  Es reicht für uns beide!"

Während des Mahles sprechen die beiden über dieses und jenes.  Der König - unerkannt - fragt: "Wovon lebst du?  Was ist dein Gewerbe?" "Ich bin Flickschuster", antwortet der Mann.  "Jeden Morgen gehe ich mit meinem Handwerkskasten durch die Stadt, und die Leute bringen mir ihre Schuhe zum Flicken auf die Straße."

Der König: "Und was wird morgen sein, wenn du keine Arbeit bekommst?"

"Morgen?", sagt der Flickschuster, "morgen?  Gott sei gepriesen Tag um Tag!  Heißt es nicht: Darum sorgt nicht für morgen.  Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat?"

Als der Flickschuster am anderen Tag in die Stadt geht, sieht er überall angeschlagen: Befehl des Königs!  In dieser Woche ist auf den Straßen meiner Stadt jede Flickschusterei verboten!  Sonderbar, denkt der Schuster.  Was doch die Könige für seltsame  Einfälle haben!

Nun, dann werde ich heute Wasser tragen; Wasser brauchen die Leute jeden Tag.

Am Abend hat er soviel verdient, dass es zum Sattwerden reicht.  Der König, wieder zu Gast, sagt: "Ich hatte schon Sorge um dich, als ich die Anschläge des Königs las.  Wie hast du dennoch dein Geld verdienen können?"

Der Schuster gab Bescheid. Der König: "Und was wird morgen sein, wenn du keine Arbeit findest?" "Morgen?  Gott sei gepriesen Tag um Tag!"

Als der Schuster am anderen Tag in die Stadt geht, um wieder Wasser zu tragen, kommen ihm Herolde entgegen, die rufen: Befehl des Königs! Wassertragen dürfen nur solche, die eine besondere Erlaubnis des Königs haben!

Sonderbar, denkt der Schuster, was doch die Könige für seltsame Einfälle haben.  Nun, dann werde ich Holz zerkleinern und in die Häuser bringen.  Er holt eine Axt, und am Abend hatte er so viel verdient, dass das Mahl für beide wieder bereitet war.  Und wieder fragt der König: "Und was wird morgen sein, wenn du keine Arbeit findest?" "Morgen?  Gott sei gepriesen Tag um Tag!  Gott wird auch morgen für mich da sein", antwortet der Mann.

Am anderen Morgen kommt dem Flickschuster in der Stadt ein Trupp Soldaten entgegen.  Ohne weitere Umstände wird der Schuster eingereiht und er muss den ganzen Tag im Königspalast Wache stehen - ohne Bezahlung, und am Abend wird ihm befohlen, am nächsten Tag wieder zu erscheinen.

Was soll der Schuster tun?  Er ahnt, dass der fremde Gast auch diesen Tag erscheinen wird, und er hat nichts verdient, um dem Fremden Gastfreundschaft zu erweisen.

Da geht der Schuster zu seinem Krämer und sagt: "Heute habe ich nichts verdient.  Aber ich habe heute Abend einen Gast.  Ich gebe dir das Schwert der königlichen Wachsoldaten als Pfand.  Gib du mir, was ich für das Mahl brauche!"

Als er nach Hause kommt, geht er zuerst in seine Werkstatt und fertigt dort ein Holzschwert, das genau in die Scheide passt.

Der König wundert sich, dass auch an diesem Abend wieder das Mahl bereitet ist.  Der Schuster erzählt alles und zeigt dem König verschmitzt das Holzschwert.

"Und was wird morgen sein, wenn der Hauptmann die Schwerter inspiziert?"

"Morgen?", sagt der Schuster.  "Morgen?  Gott sei gepriesen Tag um Tag."


Als der Schuster am anderen Morgen den Palasthof betritt, kommt ihm der Hauptmann der Palastwache entgegen, an der Hand einen gefesselten Gefangenen.  "Das ist ein Mörder.  Du sollst ihn hinrichten!"  "Das kann ich nicht", ruft der Mann voll Schrecken aus.  "Ich kann keinen Menschen töten!"  "Doch, du musst es, es ist Befehl des Königs." Inzwischen hat sich der Palasthof mit vielen Neugierigen gefüllt, die die Hinrichtung eines Mörders sehen wollen.  Der Schuster schaut in die Augen des Gefangenen.  Ist das ein Mörder?  -  Egal, der Schuster ist bereit,  jedes Handwerk auszuüben, aber töten, das darf nur Gott.  Und so wirft er sich auf die Knie und betet mit lauter Stimme, so dass alle ihn hören können: "Gott, du König des Himmels und der Erde: wenn dieser Mensch ein Mörder ist und ich ihn hinrichten soll, dann mache, dass mein Schwert aus Stahl in der Sonne wie ein Spiegel blitzt!  Wenn aber dieser Mensch kein Mörder ist, dann mache, dass mein Schwert aus Holz ist!"

Alle Menschen schauen atemlos zu ihm hin.  Er zieht das Schwert, hält es hoch - und siehe: es ist aus Holz.

Da bricht gewaltiger Jubel aus.

In diesem Augenblick aber kommt der König die Freitreppe seines Palastes herunter.  Er geht geradewegs auf den Flickschuster zu und gibt sich ihm zu erkennen.  Er umarmt den Schuster und sagt: "Von heute an sollst du mein Ratgeber sein!"


Liebe Gemeinde,

ich mag diese Geschichte, obwohl sie mir alles in allem ein wenig zu lieb und zu freundlich erscheint.  Nicht wahr, da gibt es starke märchenhafte Züge, und man möchte sagen: und wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er noch heute und berät noch heute die Regierungen der Welt!

Und dennoch, ich glaube, dass wir solch positive Geschichten angesichts des Elends in unserer Welt nötig haben, um unsere Hoffnung nicht gänzlich zu verlieren.

Warum ist diese Geschichte in meinen Augen so wichtig?  Für mich wird in ihr das Zentrum des christlichen Glaubens benannt.  In unserem Glauben geht es nicht zuerst um ein fehlerfreies oder moralisch einwandfreies Leben, sondern vor allem anderen geht es um die Sorglosigkeit und das Gottvertrauen.

Wir haben das, am Anfang des Gottesdienstes gehört.  Da sagt Jesus in der Bergpredigt: "Sorgt nicht." "Sorgt euch nicht darum, was ihr essen oder trinken werdet. Vertraut viel mehr auf Gott, er sorgt für euch."

Und ich meine, liebe Gemeinde, Jesu Argumentation für diese Behauptung ist im Grunde entwaffnend.  "Schaut die Vögel unter dem Himmel, Gott ernährt sie, kann er da euch vergessen, wo ihr doch als seine Kinder viel mehr wert seid?"

Der Flickschuster hat diese Sätze der Bibel verstanden.  Als der König ihn fragt: "Was wirst du tun, wenn du morgen keine Arbeit findest," da antwortet er: "Morgen? Morgen?  Das soll Gottes Sorge sein.  Ich lebe heute, und da gilt es, Gott zu danken, dass mein Tisch gedeckt, so reichlich gedeckt ist, dass sogar ein Fremder mit mir satt werden kann."


Und wir, was werden wir morgen tun, wenn nicht mehr alles zum Besten bestellt ist?

Nicht wahr, liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden, nach Möglichkeit haben wir vorgesorgt mit Versicherungen, Sparguthaben und vielem mehr.  In unserer Zeit ist das ja vielleicht sogar richtig. Nur   ---   die Angst vor der ungewissen Zukunft, vor einem Unfall oder einer unheilbaren Krankheit kann auch das größte Sparguthaben nicht nehmen.  Jesus sagt: "Lebe heute.  Nimm heute das, was Gott dir gibt, sei dankbar dafür, feiere damit das Leben und lass das Morgen Gottes Angelegenheit sein.

Liebe Gemeinde, einem Missverständnis möchte ich entgegenwirken.  Jesus sagt nicht, lege deine Hände in den Schoß und lass Gott für dich arbeiten.  Nicht wahr, das wäre Unsinn.  Jeder Tag hat seine eigene Mühe und Aufgabe, die bewältigt werden will.  Aber eine Klassenarbeit zum Beispiel, die erst in einer Woche angesagt ist, sie ist in der Tat zunächst Gottes Angelegenheit und darf mir nicht schon heute den Schlaf rauben.  Mein Teil ist es, heute so viel für die Klassenarbeit zu tun, wie nötig.  Nicht mehr nicht weniger, aber vor allem  --  nicht heute bereits Angst haben, denn die Zukunft gehört Gott, er wird es gut machen.

Die Sache mit dem Gottvertrauen, liebe Gemeinde, hat noch eine Kehrseite. Jesus verbietet nämlich nicht nur die Sorge, er fordert uns vielmehr zugleich auf: "Trachtet ihr nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit." Also hier, wo es um das Reich Gottes geht, da ist das Sorgen und Mühen angemessen.  Wie aber kommt das Gottesreich zu uns auf die Erde?   ----    Dadurch, dass wir den Willen Gottes tun.


Der Flickschuster gibt uns auch in dieser Beziehung ein gutes Beispiel:

Als man ihn zwingen will, den Gefangenen hinzurichten, da verweigert er den Gehorsam.  Töten, so weiß er, das wäre gegen Gottes Gebot. 

Ich finde das, liebe Gemeinde, ganz erstaunlich, welche Konsequenzen das Gottvertrauen hat.  Wer ohne Angst in die Zukunft geht, so sagt die Geschichte - der ist mutig genug, dem Bösen die Stirn zu bieten.  Schon bei der Gastfreundschaft, die der Schuster gewährt, wird das sichtbar.  Ohne Gottvertrauen - man denke nur an die momentane Diskussion um die Fremden bei uns - ohne Gottvertrauen hätte der Schuster den König kaum eingeladen.  Er hätte wohl statt dessen die Reste des Mahles für den nächsten Tag aufbewahrt, denn wer weiß, was alles über Nacht geschehen kann.  Aber der Schuster vertraut.  Und so teilt er, was er hat - so geht er den geraden Weg, und er fragt nicht danach, welchen Vorteil oder welchen Nachteil er davon haben könnte.

Liebe Gemeinde, ich wünsche uns für unser Leben Gottvertrauen.  Vertrauen dahinein, dass unser Gott als Vater für uns sorgen wird.  Der gute und der gerade Lebensweg, das wird dann die Konsequenz für uns sein.   Amen.